Als jemand der liebend gerne scharf isst, hatten mich Chilis bis letztes Jahr immer nur kulinarisch interessiert. Angefixt durch zwei meiner Freunde war selber Chilis anbauen dieses Jahr auch für mich ein Thema und ich bin mittlerweile schwer begeistert: Es macht einfach Freude den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen, man lernt viel Neues dazu und am Ende schmeckt es selbst angebaut doch am allerbesten.

Hier eine Zusammenfassung meines ersten Jahres Chilis anbauen, ein kleiner Ausblick auf das was ich kommendes Jahr vor habe und ein paar Tipps, wenn auch du in den eigenen Chili-Anbau einsteigen möchtest…

Meine Chilis 2015

Los ging es Anfang Januar: Recht blauäugig und ohne Vorkenntnisse habe ich einfach zwei Sorten, von denen ich wusste, dass sie mir schmecken würden im Internet bestellt. Jalapeño und Habanero sollten es sein – beides Sorten, die ich auch jetzt im Nachhinein als Einsteiger-geeignet bezeichnen würde.

Jalapeño sind vergleichsweise mild und können auch schon kurz vor der vollständigen Reife geerntet werden, wenn sie noch grün sind. Sie eignen sich zu vielerlei Gerichten, ich habe sie oft als Beilage verwendet – beispielsweise als Jalapeño Poppers oder im Nacho-Salat. Habanero hingegen sind wesentlich schärfer, aber dennoch genießbar: Aus ihnen habe ich zum Beispiel Atomic Armadillo Eggs gemacht und sie mit Kirsche geräuchert und zu Pulver gemahlen – geiler Stoff!

Bevor es dann wirklich losgehen konnte, war erst einmal ein wenig Zubehör-Shopping angesagt – eine kleine Liste mit dem was man Chili anbauen braucht findest du weiter unten…

Anfang Januar startete ich damit, die Samen einen Tag in warmem Wasser einzulegen und sie anschließend in kleine, mit Anzuchterde gefüllte Torftöpfe zu setzen. Die Töpfe kommen dann in ein Mini-Gewächshaus, wo sie es warm und eher feucht haben sollten. Dafür hatte ich das kleine Gewächshaus auf der Heizung im Wintergarten stehen – professioneller geht das alles mit einer Heizmatte, für mich war diese Low Budget-Variante aber vollkommen ausreichend.

Der erste Erfolgsmoment stellte sich nach etwa 7-14 Tagen ein (je nach Sorte), wenn die ersten Keimlinge das Licht der Welt erblicken: Es macht total Freude zuzusehen, wie schnell die Pflanzen wachsen und schon bald wird es in den Anzuchttöpfen zu eng.

Chili-Anbau: Aufzucht und Beginn
Vom Aussähen bis zum ersten Umtopfen dauerte es ca. sechs Wochen

Mitte Februar habe ich aus Platzgründen dann in 12cm-Töpfe umgetopft, weil die Keimrate doch wesentlich höher als erwartet war und sich insgesamt knapp 40 Pflanzen den Platz im Wintergarten teilen mussten. Da man die Chilis erst nach dem letzten Frost (etwa Mitte Mai) hinauspflanzen kann, habe ich einen Teil der Pflanzen verschenkt. Alleine das Gießen nimmt dann schon einen nicht zu unterschätzenden Teil ein – von den guten Gesprächen mit den Pflänzchen mal ganz abgesehen. 😜

Ab Mitte März war es dann soweit, dass ich die Pflanzen bei gutem Wetter auch schon ein paar Mal für ein oder zwei Stunden nach draußen gestellt habe, um sie an die Sonne zu gewöhnen. Anfang Mai bildeten die Pflanzen ihre ersten Blüten und kurze Zeit später auch Früchte. Die Jalapeños waren dabei wesentlich früher dran – bei den Habanero hatte ich mit einem ziemlichen Blattlausbefall zu kämpfen, was die Pflanzen insgesamt auch in ihrem Wachstum gehemmt hat.

Mitte Mai wurden dann alle restlichen Pflanzen hinausgepflanzt: Knapp 30 Chilis wurden auf die Beete im Garten und auch große Pflanzentöpfe und Kübel verteilt, damit das Wachstum nun ungebremst seinen Lauf nehmen konnte…

Chili Anbau Draussen
Die Chilis wuchsen gut, schon bald ging es raus in den Garten

Und so wuschen die Chilis dann den recht unbeständigen Sommer über vor sich hin, bis es dann an die erste Ernte Mitte September ging. Leider waren die Jalapeño doch sehr mild, was wohl auch an dem wechselhaften Sommer lag. Die Habanero waren insgesamt etwas später dran, hatten aber eine tolle Schärfe und ließen sich für vielerlei Soßen, Pulver und auch meine Chili-Marmelade nutzen.

Die Ernte zog sich bis in den Oktober, wobei ich die letzten Pflanzen auf Grund der dann schon sehr stark gefallenen Temperaturen im Wintergarten habe nachreifen lassen. Insgesamt war ich mit dem Ertrag zufrieden und im Froster liegt nun auch noch einiges, was ich dann bis zur kommenden Erntezeit aufbrauchen kann. Ein echtes Highlight sind dabei für mich die mit Kirschholz geräucherten Habanero – sie haben einen super Duft und ein mega Aroma, was sich frisch zu Pulver gemahlen auch sehr gut in Soßen einsetzen lässt.

Chilis Anbauen Ernte
Der Ertrag war enorm, so dass sich auch viele Freunde und Kollegen über frische Chilis freuen konnten

Chilis anbauen: Was du brauchst

Als erstes brauchst du natürlich Chili-Samen. Im Idealfall bekommt man sie von einem befreundeten Züchter, das Internet bietet aber auch eine große Auswahl zu fairen Preisen. Ein sehr guter Tipp für die Samenbestellung ist der etwas altertümlich wirkende Online-Shop semillas.de. Dort findet man eine große Auswahl an Sorten, die auch gut beschrieben und bebildert sind. Da der Versand der Samen von Spanien aus erfolgt, muss man jedoch rechtzeitig bestellen – zumindest wenn man die Samen nun noch kurzfristig für das kommende Jahr braucht.

An eigentlichem Zubehör braucht man darüber hinaus für die ersten Schritte eigentlich nur noch ein Mini-Gewächshaus, sowie Anzuchterde und -töpfe. Ich bin mit diesem Starterpaket gut gefahren: Man hat alles beisammen, es ist günstig und vollkommen ausreichend.

mgc24 Zimmergewächshaus Komplettset
  • Zimmergewächshaus
  • inkl. 16 Torftöpfe
  • inkl. Anzuchterde 10 Liter

Letzte Aktualisierung am 25.09.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Im Laufe des Jahres habe ich mir dann noch Das Chili Pepper Buch zugelegt, weil ich ein gutes Nachschlagewerk zum Anbau und Verwertung der Chilies haben wollte.

Das Buch ist quasi die Chili-Bibel und man findet zu allen möglichen Fragen (beispielsweise Schädlingsbekämpfung, Düngung, etc.) gute und bewährte Antworten. Das Buch beinhaltet darüber hinaus auch eine ausführliche Sortenbeschreibung und Rezepte – für mich eine gute Investition, wenn man sich für Chilis insgesamt interessiert.

DAS CHILI PEPPER BUCH 2.0: Wissenswertes, Anbau, Produkte und Rezepte rund um Chili, Paprika & Co. - Zweite erweiterte Ausgabe
  • Harald Zoschke
  • Herausgeber: SeeDruck
  • Auflage Nr. 2 (01.09.2014)
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Letzte Aktualisierung am 25.09.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Wem das alles zu viel Arbeit ist und wer sich im ersten Jahr lieber auf die einfache Art ans Chilis anbauen wagen möchte, dem sei die Chili-Pflanzen von Pepperworld Hot Shop empfohlen. Dort kann man jetzt schon seine Auswahl vorbestellen und bekommt dann ab April hochwertige, etwa 20cm große Jungpflanzen, die man dann von dort aus großziehen kann.

Eine weitere gute Anleitung für den Einstieg findet ihr auch bei Thomas: How To: Aussaat, Keimung, Anzucht, Pikieren.

Ein Ausblick auf 2016

Die Samen für das kommende Jahr sind schon zusammen getragen – nach Weihnachten werde ich mir Gedanken machen, welche der Sorten, die ich bestellt und von Freunden bekommen habe, es denn nun wirklich werden sollen. Im kommenden Jahr werde ich dabei definitiv mehr in die Breite gehen und dabei mehr scharfe Sorten anbauen. Sichere Kandidaten sind daher schon mal die Hot Lemon, Scotch Bonnet und Trinidad Scorpion.

Ich werde von jeder Sorte maximal zwei Chilis anbauen und habe insgesamt auf einen farbenfrohen Mix gesetzt. Kann kaum erwarten, dass es wieder losgeht 😀

Dankeschön

Ein dickes Danke an ace und Marius für den ganzen konstruktiven Austausch das Jahr über – sowie an Alex vom Pepperworld Hot Shop, der mir mit vielen Tipps zum Chili-Anbau weitergeholfen hat! 👍


Hat dir der Artikel gefallen? Mein Newsletter informiert dich über neuen Beiträge und Rezepte.

Informationen zu den Inhalten und deiner Anmeldung erhältst Du in der Datenschutzerklärung.

Weitere ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar